Abfall oder Wertstoff? Was meinst Du?

Jeden Tag bestimmen Du und ich was zu Abfall wird. Wenn Du etwas nicht mehr brauchst wirfst Du es in die richtige Abfalltonne und produzierst damit Abfall. Das ist das erste Erkennungsmerkmal, dass es sich um Abfall handelt: „Ich brauch’ es nicht mehr!“

Es kann aber auch sein, dass von dem nicht mehr benötigten Produkt eine Gefahr für die Umwelt ausgeht, wenn man es nicht richtig behandelt. Dann ist es ganz gleich ob die Besitzerin dieses Produkts sagt, das kann ich aber noch brauchen, es steht halt solange bei mir im Keller. Das Gesetz schreibt vor, dass solche Dinge jedenfalls als Abfall zu behandeln sind, damit eben keine Gefährdung für die Umwelt entsteht.

Das letzte Erkennungsmerkmal ist, dass es sich um bewegliche Sachen handelt. Das sind Dinge, die man von einem Ort zum anderen bringen kann, ohne sie kaputt zu machen. Möbel, Elektronikgeräte, Sportartikel, und noch vieles mehr kann also zu Abfall werden.

Mittlerweile haben wir aber bemerkt, dass wir manches viel zu achtlos wegwerfen, obwohl es noch brauchbar wäre. Ein Teil des Abfalls lässt sich so vermeiden. Beispielsweise kannst Du Deine leeren Getränkekartons in den gelben Sack oder die gelbe Tonne werfen. Du kannst sie aber genauso gut zum Basteln verwenden. Damit lässt sich ein weiterer Teil des Abfalls wiederverwenden. Alles was sich nicht vermeiden lässt und auch nicht wiederverwendet werden kann, wird von uns mit Deiner Hilfe getrennt gesammelt. So können wir vieles recyceln oder zumindest anderweitig verwerten. Abfall ist damit bereits zum großen Teil Wertstoff.


Abfall. Gab es das schon immer?

Wie war das eigentlich früher? Hat es denn schon immer Sammeltonnen und riesige Abfallsammelfahrzeuge gegeben? Tatsächlich waren wir nicht immer so verschwenderisch!

In der Steinzeit waren die Dinge des täglichen Lebens nämlich kostbar. Sie wurden so lange wie möglich repariert und verwendet. Das bisschen Küchenabfall, das übrig blieb, konnte wunderbar recycelt werden. Knochen wurden beispielsweise zur Herstellung von Musikinstrumenten verwendet. So hat man bei Ausgrabungen eine Flöte gefunden, die aus einem Knochen heraus geschnitzt wurde.

Im Mittelalter war das schon anders. Es entstanden die ersten Städte und die Menschen, die dort lebten, kippten ihren Abfall einfach auf die Straße. Das stank nicht nur den Landesfürsten und es wurden die ersten Abfallgesetze erlassen. Abfall wurde in Behältern gesammelt, abgeholt und vor den Stadtmauern in die Landschaft gekippt.

Heute wird alles verpackt und es wird nicht mehr so vieles repariert wie früher. Wir waren und sind es zum Teil noch immer: eine richtige Wegwerfgesellschaft. Denn bis vor nicht allzu langer Zeit wurde der Abfall einfach in Gruben gekippt oder bestenfalls verbrannt. Es entstanden richtige Müllberge! Das ist teuer und macht Probleme für die Umwelt.

Weil es eine riesige Verschwendung ist, mussten wir uns eine Lösung einfallen lassen. Im Abfall stecken ja noch wertvolle Rohstoffe. Deshalb begannen wir die Abfälle getrennt zu sammeln um einen Teil davon recyceln zu können. Wir entwickeln uns zur Recyclinggesellschaft. Aber damit ist es nicht getan, denn Umweltbewusstsein muss viel früher beginnen: Abfälle lassen sich nämlich auch vermeiden und vieles kann wiederverwendet werden.


Abfallmengen. Wieviel und welchen Abfall produzieren wir eigentlich?

In einem Jahr produziert jede und jeder von uns rund 500 kg Abfall. Und das ist nur der Abfall, der bei uns zu Hause anfällt. Was bei der Herstellung der Produkte und in den verschiedenen Industrien anfällt, ist hier noch nicht mitgerechnet.

Der Großteil der Abfälle, die bei Dir daheim entstehen, wird in getrennten Tonnen oder Säcken gesammelt. Mehr als die Hälfte der Abfälle kann inzwischen getrennt gesammelt werden und wird damit zum großen Teil zu neuen Produkten oder Verpackungen. Trotzdem bleibt noch einiges an Restmüll übrig. Im Restmüll finden wir noch immer vieles, das eigentlich in eine andere Tonne gehört: Papier, Bioabfälle aber auch Kunststoffverpackungen. Wir können also noch einiges tun, um die Restmüllmenge zu verringern: Richtig trennen aber vor allem auch vermeiden.


Geheime Codes? Mach’ Dich auf die Suche!

Hast Du Dich eigentlich schon einmal gefragt, was die Zeichen auf den verschiedenen Verpackungen, in denen die Produkte, die bei Dir wöchentlich eingekauft werden, bedeuten? Unter anderem findest Du darauf die sogenannten Recycling Codes. Die findest Du nicht nur auf Verpackungen von Getränken, Lebensmitteln, Taschentüchern und Badeartikeln. Vielleicht hast Du ja eine Jausenbox aus Kunststoff. Dann wirst Du wahrscheinlich auch darauf einen Recycling Code finden. Das Dreieck mit den drei Pfeilen steht für den Recycling-Kreislauf. Die Nummer bezeichnet das Material. Das ist wichtig, damit man weiß, wie die Dinge wieder verwertet werden können.

Die Recycling Codes gibt es nicht nur für Verpackungen und Produkte aus Kunststoffen sondern auch für Papier, Metalle, Textilien und Glas. Sogar für sogenannte Verbundstoffe gibt es eigene Codes. Das sind Produkte oder Verpackungen die aus zwei miteinander verbundenen Materialien bestehen. Die Getränkekartons (beispielsweise für Milch oder Fruchtsäfte) bestehen zum Beispiel außen aus Karton und innen aus einer Kunststofffolie, damit das Getränk geschützt ist und lange hält.

01 mit der Abkürzung „PET“ steht für den Kunststoff „Polyethylenterephthalat“. Hieraus lassen sich Polyesterfasern für die Kleiderherstellung, Folien, Getränkeflaschen und Lebensmittelverpackungen herstellen.

02 mit der Abkürzung „PE-HD“ steht für „Polyethylen mit hoher Dichte“. Hieraus werden zum Beispiel Plastikflaschen und –taschen, Abfalleimer, Plastikrohre und sogar Kunstholz hergestellt.

03 mit der Abkürzung „PVC“ steht für „Polyvinylchlorid“. Fensterrahmen bestehen beispielsweise aus diesem Werkstoff. Aber auch Flaschen für Chemikalien oder Klebstoffe werden zumeist hieraus hergestellt.

04 mit der Abkürzung „PE-LD“ steht für „Polyethylen mit niedriger Dichte“. Plastiktragetaschen, Seifenspenderflaschen aber auch Plastiktuben bestehen aus dieser Kunststoffart.

05 mit der Abkürzung „PP“ steht für „Polypropylen“. Viele Kunststoffe im Auto, wie zum Beispiel Stoßstangen und Innenraumverkleidungen, bestehen aus diesem Material. Aber auch Industriefasern und Lebensmittelverpackungen werden hieraus hergestellt.

06 mit der Abkürzung „PS“ steht für „Polystyrol“. Hieraus werden Spielzeuge, Blumentöpfe, Videokassetten (falls Du die noch kennst) und Koffer hergestellt.

07 fasst die anderen Kunststoffarten zusammen. Hier finden sich Materialien wie Polylactide (PLA), Acrylglas, Polycarbonat aber auch Nylon. Auch hieraus können Verpackungen bestehen. Vielleicht kennst Du auch die sogenannten Mulchfolien, die viele im Garten verwenden.

Und das waren erst die Recycling Codes für Kunststoffe. Insgesamt gibt es knapp 100 solcher Codes. Welche findest Du noch?


Recyclingkreisläufe. Wertstoffe kennen kein Ende.

Hinter jeder bunten Tonne stehen die sogenannten Recyclingkreisläufe. Diese bezeichnen den Weg, den ein Produkt von der Verwendung über das Recycling bis zur erneuten Verwendung nimmt. Dank ihnen werden möglichst viele Wertstoffe getrennt gesammelt. Die enthaltenen Materialien wie Papier, Glas, Metall, Textilien und Kunststoffe eignen sich vielfach für die Herstellung neuer Produkte. Aus alten, für die ursprünglichen Besitzer oft wertlosen, Produkten können so neue entstehen.


Ressourcen-pyramide. Unsere Ressourcen sind kostbar.

In Europa zeigt uns die sog. Abfallpyramide, wie wir mit unseren Abfällen umgehen sollen. Dabei steht die Vermeidung ganz oben. Ist etwas für uns nutzlos geworden, kann es vielleicht jemand anderes wiederverwenden. Sobald etwas in die Abfalltonne gelangt, versuchen wir den größten Teil zu recyceln und neue Produkte daraus herzustellen. Ist das nicht mehr möglich, versuchen wir die im Abfall enthaltene Energie bestmöglich zu nutzen. Erst als letztes kommt die Beseitigung von Abfällen.

Früher war die Abfallpyramide tatsächlich eine Pyramide. Wir aber meinen, dass den obersten Stufen Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling die meiste Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Deshalb haben wir die Pyramide kurzerhand auf die Spitze gestellt. So wird deutlich, dass es sich um eine Anleitung handelt, wie wir mit unseren kostbaren Ressourcen umgehen sollen.


Trennen. Ist doch logisch!

Damit Abfälle wieder zu einem Wertstoff werden, müssen diese getrennt und in die richtige Tonne oder den richtigen Sack geworfen werden. Nur so kann aus einer alten PET-Getränkeflasche wieder eine neue werden.

Es ist manchmal auch gar nicht so einfach, die Abfälle in die richtige Tonne zu werfen. Getränkekartons zum Beispiel greifen sich zwar wie Karton an. Innen haben sie allerdings eine Kunststofffolie. Deswegen kommen sie nicht zum Altpapier sondern zu den Leichtverpackungen in die gelbe Tonne oder den gelben Sack. Vieles, das aus Kunststoff hergestellt ist, kommt aber trotzdem nicht in die gelbe Tonne. Beispielsweise kommen Spielzeuge aus Kunststoff nicht zu den Leichtverpackungen, weil sie eben keine Verpackungen sind. Vielfach sind in Spielzeugen auch Batterien verbaut. Dann müssen diese ins Abfallsammelzentrum, weil Batterien gefährlicher Abfall sind.

Und dann gibt es auch noch regionale Unterschiede. Das bedeutet, dass zum Beispiel in Wien und Teilen von Niederösterreich nur PET-Getränkeflaschen und Aludosen in die gelbe Tonne kommen. In der Steiermark kommen dafür sogar Holzsteigen, wie Du sie aus dem Supermarkt für Erdbeeren oder anderes Obst kennst, hinein.